16.11.2011 10:55 10:55 Alter: 188 days

Interview mit Bundestrainer Jochen Behle

„Düsseldorf ist und bleibt in der Rolle des Zugpferds“


Seit fast zehn Jahren ist Jochen Behle (51) Skilanglauf-Bundestrainer. Er gehörte seinerzeit zu den Ideengebern für den FIS Skilanglauf Weltcup in Düsseldorf, er hat die deutschen Athleten während seiner Amtszeit in die absolute Weltspitze geführt und dem Verband Weltmeistertitel, Olympische Goldmedaillen und Weltcupsiege beschert.

Im Gespräch nimmt der Sauerländer Stellung zum anstehenden Weltcup-Auftakt und zur Form seiner Athleten - aber auch zu Motorsport-Anhängern im Lager der Skiläufer und zur Bedeutung von Verträgen im Leistungssport.

Herr Behle, der FIS Skilanglauf Weltcup in Düsseldorf feiert Jubiläum. Was fällt Ihnen spontan dazu ein?

Jochen Behle: „Die Idee, den Skilanglauf in die Städte zu bringen, gab es damals schon. Doch Düsseldorf war die erste Metropole, die dieses aufwändige Unterfangen in dieser Größenordnung in Angriff genommen hat. Mit großem Erfolg, wie sich gezeigt hat. Mittlerweile ist diese Form der Rennen etabliert, es gibt ähnliche Veranstaltungen zum Beispiel in Stockholm, Drammen und anderen Städten. Düsseldorf ist und bleibt aber das Zugpferd.“

Angekündigt sind für Düsseldorf bislang unter anderem Josef Wenzl, der letzte deutsche Sieger am Rhein (2007), Olympiamedaillen-Gewinner Tim Tscharnke und Junioren-Weltmeisterin Lucia Anger. Wie ist die Form der Athleten und was erwarten Sie von Ihnen?


Jochen Behle: „Um ehrlich zu sein, was die Form angeht, muss ich mich selbst auch überraschen lassen. Das ist nur aufgrund des bisherigen Trainings nicht zu sagen, dazu waren die Ergebnisse unserer diversen Tests einfach zu unterschiedlich. Im Sprint gehört immer auch Glück dazu, aber wir haben sicher das Potenzial, ganz vorne dabei zu sein – bei den Männern eher im Teamsprint, bei den Frauen sehe ich eher im Einzel Chancen.“

Aus der Sicht der Sportler, was macht Düsseldorf besonders?

Jochen Behle: „Es ist einfach nach wie vor außergewöhnlich, in einer Großstadt und gleich neben einem Fluss über eine Loipe zu sprinten. Die Atmosphäre ist eine besondere, und die meisten unserer Rennen finden nicht ansatzweise vor so einer Zuschauerzahl statt. Insofern: die Sportler freuen sich immer wieder auf die große Kulisse. Dennoch gilt für die meisten Athleten: Sie sind Profis und lassen sich davon so wenig wie möglich beeindrucken. Am Ende geht es nur darum, möglichst weit vorne zu landen.“

Und für den Bundestrainer? Die Strecke ist extrem kurz und kompakt. Birgt das Vorteile bei der Beobachtung der Rennen?

Jochen Behle: „Nicht wirklich, denn durch die Zuschauer ist mir der Blick auf die Strecke größtenteils versperrt. Das ist für mich im Prinzip wie bei den anderen Rennen auch: Ich schaue auf Monitore und Großleinwände, um ganz nah dran zu sein.“

Der Weltcup-Auftakt am kommenden Wochenende stand lange nicht fest, ganz Norwegen leidet unter Schneemangel. Das ursprünglich in Beitostoelen terminierte Rennen wird nun in Sjusjoen stattfinden. Inwieweit hat dieses Szenario ihre Vorbereitungen beeinflusst?

Jochen Behle: „Unser Trainings-Programm bislang hat das nicht beeinflusst. Allerdings könnte sich an der Zusammensetzung der Teams noch kurzfristig etwas ändern, je nachdem, ob und wie die beiden Weltcups bis Düsseldorf verlaufen. Im Prinzip sind aber für Düsseldorf die starken Nachwuchs- und Sprint-Athleten vorgesehen.“

Düsseldorf beherbergt am Ski-Wochenende auch die Größten des Motorsports, die beim „Race of Champions“ in der ESPRIT Arena aufeinander treffen. Wird Jochen Behle einen Blick auf Sebastian Vettel und Michael Schumacher werfen?


Jochen Behle: „Wenn es die Zeit erlaubt, auf jeden Fall. Und ich bin sicher, dass auch einige unserer Athleten sich diese Chance nicht entgehen lassen werden. Da gibt es ein paar, die stehen sogar nachts auf, um Formel1 Rennen anzuschauen. Schön wäre es aber, wenn die Jungs auch mal zu uns an die Strecke kämen.“

Nächstes Jahr feiern Sie ihr Jubiläum als Bundestrainer – sie haben schon jetzt alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Wie lange läuft der Vertrag mit dem Deutschen Skiverband noch?

Jochen Behle: „Ich habe gar keinen richtigen Vertrag. Wozu auch, Verträge zählen im Leistungssport doch ohnehin nicht mehr wirklich, wie man an unzähligen Beispielen sieht. Mein Motto ist: Es passt, oder es passt nicht. Und was meine Tätigkeit für den Skiverband angeht, hat es in den vergangenen Jahren meist sehr gut gepasst. Meine persönlichen Planungen laufen deshalb auch noch bis zu den Olympischen Spielen in Sotschi, so viel kann ich sicherlich sagen. Was danach ist, weiß ich noch nicht.“


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